Minitrip #2: Was du für ein Wochenende in Amsterdam wissen musst

Im Anschluss an unseren Sommerurlaub an der Nordseeküste haben wir unseren Minitrip in Hollands Hauptstadt gestartet.

Anders als bei vielen anderen Städtetrips haben wir unseren Kurzurlaub in Amsterdam mehr genossen. Wir sind nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gehetzt, sondern haben die Stadt auf uns wirken lassen.

Du möchtest dir eine vielfältige bunte Stadt mit vielen ruhigen Ecken anschauen?! Dann bist du in Amsterdam genau richtig! Auf der einen Seite eine Großstadt voller Touristen, auf der anderen Seite jedoch viel entspannter und weitläufiger, als viele andere Weltstädte. Durch die Grachten und die verteilten Sehenswürdigkeiten entsteht nicht der überfüllte Eindruck, den wir sonst manches Mal bei Städtetrips haben.

Amsterdam bietet viele Kunstmuseen, hat ansonsten jedoch weniger DIE weltbekannten Sehenswürdigkeiten. Da wir, wie öfter erwähnt, keine Kunstliebhaber sind, blieb uns ohne die Museen viel Zeit, andere Eindrücke von Amsterdam zu sammeln. So konnten wir in aller Ruhe das Leben in der Innenstadt entdecken. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind zentral innerhalb der vier Hauptgrachten gelegen, weshalb wir diese ohne gezielte Erkundungstour oder Straßenkarte automatisch fanden.

Innerhalb der vier Haupt-Grachten ist vieles zentral gelegen, weshalb wir ohne gezielte Erkundungstouren oder Straßenkarten die meisten Sehenswürdigkeiten automatisch fanden.

Welche Rolle spielen die Grachten in Amsterdam?

Amsterdam ist durchzogen von größeren und kleineren Grachten. Am bekanntesten sind die vier Hauptgrachten: Singel-, Heren-, Koizers- und Prinsengracht. Diese zusammen bilden den bekannten Grachtengürtel und umschließen die Innenstadt. Aufgrund der vielen Brücken über die Grachten und die Amstel wird Amsterdam genauso wie Hamburg „Venedig des Nordens“ genannt. Entlang dieser Grachten liegen viele Sehenswürdigkeiten.

Anfangs war unter Anderem die Singlegracht als Verteidigungsgraben gedacht. Erst 1612 wurde aufgrund des vermehrten Warenverkehrs innerhalb der Innenstadt mit der Planung der anderen drei Grachten begonnen. Heute liegen am Rande der Kanäle viele Hausboote, auf denen die Einheimischen wohnen. Manche dieser Hausboote werden ebenfalls als Apartments an Touristen vermietet.

Die Grachten bilden nicht nur geographisch den Mittelpunkt der Stadt, sondern spielen auch für das dortige Leben eine wichtige Rolle. Ein großer Teil des Lebens findet am und auf dem Wasser statt. Bei schönem Wetter tummeln sich hunderte Boote auf den Grachten. Zum einen werden die Touristen auf diese Weise durch die Stadt gefahren, zum anderen sind die Amsterdamer selber viel mit Booten unterwegs. Da ist es kein Wunder, dass ein riesen Haufen an Grachtenrundfahrten von unterschiedlichsten Anbietern angeboten werden.

Die etwas andere Stadtrundfahrt – per Schiff

Für uns stand natürlich auch eine auf dem Plan. So hatten wir bereits vorher im Internet von zu Hause aus Tickets gekauft (als Geburtstagsgeschenk für Fabian!). Neele buchte eine Rundfahrt am Abend entlang der bekanntesten Grachten inklusive Pizza und Eis.

Was wir jetzt wissen: Eine Buchung vorab ist aufgrund einer Fülle von Angeboten nicht unbedingt notwendig. Unser Tipp ist daher: Lieber vorher Preise im Internet vergleichen und dann dort spontan, dem Wetter und Aktivitäten angepasst, eine Rundfahrt buchen.

Leider gab es erst nach über der Hälfte der Zeit die Pizza und kurz danach das Eis. Das Timing ist am Ende der Fahrt nicht 100% perfekt gewesen. Egal, ob es eine Fahrt mit Essen ist, oder eine am Tag bei offenem Deck und Sonnenschein. Sie werden sich wahrscheinlich alle ähneln. Für uns steht fest: Amsterdam solltest du unbedingt vom Wasser aus kennenlernen. Von dort aus kannst du die wunderschöne Stadt, mit ihren alten Häusern und gemütliche Hausbooten aus einer anderen Perspektive entdecken.

Amsterdam_Grachtenrundfahrt

Rotlichtviertel: Prüde ist hier nicht angesagt

Da wir aus der Nähe von Hamburg kommen haben wir die „vermeintlich sündigste Meile der Welt“ vor der Tür. Trotzdem wirkt das ganze Leben in Amsterdam noch viel lockerer, als es rund um die Reeperbahn gelebt wird.

Das Ziel vieler Touristen ist das bekannte Rotlichtviertel von Amsterdam. Auch wir sind auf Entdeckungstour durch die verruchten Gassen gegangen und haben einiges gesehen. Die beiden wohl bekanntesten Dinge im Amsterdamer Rotlichtviertel sind die Coffee Shops und die „Schaufenster“ in denen sich die leichten Damen den Männern präsentieren. Der vermeintlichen Kundschaft wird schonmal eifrig hinterhergeklopft. Auch dem einen oder anderen Paar wurde zugezwinkert. Man weiß ja nie, wer Kunde werden könnte.

Venustempel

Einem Museum konnten wir nicht widerstehn; dem Sexmuseum. Mitten in der Innenstadt und eine Querstraße vom Rotlichtviertel entfernt liegt der „Venustempel“. Für 2 € pro Person gab es viel zu lachen. Du siehst durch hunderte Fotos und Skulpturen die unterschiedlichsten Sexpraktiken und Vorlieben von der Antike bis heute.

Wie hat sich das Sexleben entwickelt? Und woher kommt welche Praktik? Das alles erfährst du im Amsterdamer Venustempel. Aber Achtung: Nicht alles, was du dort findest, ist für schwache Nerven. Es ist kein Must-See aber wer Zeit und Lust hat, kann da gut und gerne eine knappe Stunde verbringen.

Kondomerie

Wo wir schon beim Thema sind, kannst du auch gleich der Kondomerie im Herzen des Rotlichtviertels einen Besuch abstatten. Ein Laden voller Kondome in allen denkbaren Varianten! Wir drängten uns mit bestimmt 20 anderen Personen durch den kleinen Laden.  Es gibt dutzende Kondome, die zu kleinen Kunstwerken verziert werden. Von Einhornkondomen über Windmühlen bis hin zu extra, extra groß kann dort jeder fündig werden.

Leider durften wir keine Fotos innerhalb des Ladens machen, auch das Fotografieren der Schaufenster wurde nicht gerne gesehen.  Für alle Interessierten ist das ein Grund mehr, selber dorthin zu fahren und sich ein Bild von dem knallbunten Laden zu machen.

Amsterdam_Kondomerie_Rotlichtviertel

Der Begijnhof: Ein Blick in die Vergangenheit

Der Begijnhof ist einer der bekanntesten sogenannten Hofjes („Innenhöfe“) Amsterdams. Bekannt ist dieser vor allem geworden, da zu dem Gebäudekomplex das älteste Haus Amsterdams gehört. Der Innenhof ist trotz des touristischen Andrangs ein ruhiger Ort mitten im Stadtzentrum. Inmitten des Innenhofs steht eine kleine englisch reformierte Kirche. In der Engelsekerk hängen Fahnen, denen das Alter wahrhaftig anzusehen ist.

Ein Abstecher in den Begijnhof und somit in die Vergangenheit der holländischen Kolonisationszeit gehört in Amsterdam dazu.

Amsterdam_Begijnhof_Wochenendtrip

Blumenmarkt

Enttäuscht waren wir von dem immer wieder als Sehenswürdigkeit genannten Blumenmarkt auf der Singelgracht. Wer denkt, hier wimmelt es von Blumenläden und einer Blütenpracht im Sommer, liegt falsch. Einer der Touristenmagneten der Stadt eignet sich unserer Meinung nach nur zum  Blumenzwiebeln für zu Hause kaufen. Fast jeder Stand bietet das gleiche an: Vorne Blumenzwiebeln und den normalen Souvenirladen voller Schnickschnack. Wenn du trotzdem auf den Blumenmarkt möchtest, weil du nicht ohne eine Ladung an Tulpen nach Hause kommen willst, solltest du die Preise vergleichen. Diese variieren deutlich, trotz gleichen Angebots.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Blumenzwiebeln außerhalb der Stadt deutlich günstiger sind, als die Touristenstände auf dem Blumenmarkt.

Wynand Focking: Trinken lernen unter Einheimischen

Zu einem richtigen Städtetrip im Ausland gehört für uns beide neben dem landestypischen Essen auch ein Eindruck der dortigen „Trinkkultur“. Also haben wir uns darüber informiert was der Holländer nach Feierabend trinkt. Wir wurden in der Bar der Brennerei Wynand Focking fündig: „Jenever“.

Die Brennerei  liegt seit 1679 im Pijlsteeg 31 und hält sich bis heute in der Amsterdamer Innenstadt. Das Beste an der Brennerei: nebenan befindet sich eine eigene Bar und ein kleiner Laden, in dem du im Anschluss einkaufen kannst.

Wir kannten Genever als fruchtigen „Kurzen“ aus deutschen Supermarktregalen. Als wir in der Bar nach Genever fragten, klärte uns der Barkeeper  erstmal auf, dass der Originale gar nichts mit dem uns bekannten zu tun hat. Richtiger Genever ist vom Geschmack und Aussehen her ähnlich wie Wodka. Die fruchtigen Kurzen sind in der Niederlande Obstbrandwein oder Fruchtliköre. Wieder was dazu gelernt!

Brandvijne und deren Verkostung

In der kleinen Bar gibt es viele verschiedene Genever, Liköre und Brandweine (Brandvijne). Alle kosten zum probieren jeweils drei Euro. Ist nicht unbedingt günstig für einen Kurzen, aber wenn du zum probieren und genießen dort bist, ist er das Geld wert. Wir hatten die Brandvijne Himbeere, Sauerkirsche und Zitrone.

Dank der Bestellung nach einem „Kirsch-Brandwein“ hatten wir eine kleine Verkostung von unterschiedlichen Kirsch-Geschmacksrichtungen. Keine Seltenheit! Wir können natürlich nicht versprechen, dass jeder so viel Glück hat, aber ein Versuch ist es wert! Alle super lecker!

Nach der Bestellung gab es dann eine Lektion im Genever trinken: Das Glas wird vom Barkeeper randvoll mit einem sogenannten Kopf gefüllt. Dieser wird noch auf dem Tresen ohne den Einsatz der Hände getrunken. Erst danach darf das Glas mitgenommen und woanders weiter genossen werden.

Auf jeden Fall ein echter Geheimtipp für Amsterdam und eines unserer Highlights!

Das Essen war „Käse“

Viel Pech und zu große Spargedanken haben uns das Essen in Amsterdam gründlich versaut. Das meiste was wir nicht selber in der bootseigenen Küche gekocht haben, ging nach hinten los.

Automatenessen

Unser wohl größter Fehler: Essen aus einem der typisch holländischen Automaten! Der Plan: Vor der Abfahrt zurück nach Deutschland noch was „landestypisches“ essen.  Außer Käse! Wir beide kennen aus Hamburg keine Automaten, aus denen direkt heißes Essen entnommen werden kann. Drei Tage konnten wir dem nicht so ganz appetitlichen Anblick wiederstehen. Beim Warten auf unsere Bahn hat die Neugier gesiegt und wir mussten es doch noch ausprobieren. Zu einer Frikandel konnten wir uns nicht überwinden, aber ein Cheeseburger kann ja nicht so schlecht schmecken, dachten wir uns. Weit gefehlt! Lass dir eins gesagt sein: Ein Burger einer der bekannten Fast Food Ketten ist dagegen geschmacklich ein Gourmetessen.

Viel anders erging es uns leider auch bei anderen kulinarischen Möglichkeiten außer Haus nicht. Was nicht bedeutet, dass die Amsterdamer nicht kochen können, sondern einfach, dass wir ein unglücklichen Händchen bewiesen haben, weshalb wir auch viel selber gekocht haben.

Toos & Roos- unsere Rettung

Zwei gute kulinarische Erfahrungen konnten wir jedoch machen. Irgendwo in den vielen kleinen Gassen auf der Berenstraat, haben wir was leckeres für zwischendurch gefunden. Das Toos & Roos ist ein kleines gemütliches Bistro mit super leckeren Suppen, Frühstück und Lunchkarte. Mitten in der kleinen belebten Gasse sticht das Bistro mit seinen rot karierten Tischdecken und der Pinken Markise aus der Häuserreihe heraus. Unser Highlight: Die leckere orientalische Kichererbsensuppe.

Die Berenstraat ist eine der Negen Straatjes (9 Straßen) welche die vier Hauptgrachten im Westen der Innenstadt miteinander verbinden. In diesem Teil der Stadt liegen viele der kleinen Cafés und Vintage Läden.

Unsere andere Rettung war das Hard Rock Café. Hier haben wir bei einem Cocktail die Sonne genossen und nebenbei  Burger, Pommes und Zwiebelringe verdrückt.

Abendessen_Hausboot_Amsterdam_Hafen_Tapas
Frühstück_Amsterdam_Hausboot

Übernachten auf Niederländisch

Was hat Amsterdam im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten?! Viel Wasser! Und somit die Möglichkeit auf Hausbooten zu übernachten. Für uns hörte sich das sehr verlockend an. Und wir empfehlen es auf jeden Fall weiter!

Ein Hotel in Amsterdam ist eine verpasste Chance für einen besonderen Schlafplatz. Wenn du Preise vergleichst und vielleicht nicht im direkten Stadtzentrum übernachtest, lohnt sich ein Hausboot definitiv!

Ein Hausboot im Zentrum während den Sommerferien hätte unser Backpacker-Budget gesprengt. Nur ein Stück außerhalb der Innenstadt (fünf Stationen mit der Tram) haben wir unser Zuhause für das Wochenende auf einem wunderschönen Hausboot gefunden.

Unser erster und letzter Blick vom Bett aus fiel auf den Amsterdamer Hafen. Da unser Hausboot nicht direkt in einer Gracht lag, hatten wir ein wenig Wellengang. Dieser war jedoch nicht weiter hinderlich. Außer beim einbeinigen Füße waschen unter der Dusche, da wurde es teilweise zu einer rutschige Angelegenheit. Für einen empfindlichen Magen also auf jeden Fall aushaltbar.

Die meisten Hausboote in den Grachten und im Hafen sind nicht mehr fahrtüchtig und teilweise mit den Nachbarbooten verbunden. Somit ist ein ruhiger Schlaf ohne Wellengang garantiert. Das ein oder andere Hausboot hat sogar einen Vorgarten und eine Terrasse direkt am Wasser. Mit einer Übernachtung auf dem Hausboot wird dein Aufenthalt in Amsterdam unvergesslich.

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Wie teuer war der Spaß?!

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Unser Fazit über Amsterdam

Amsterdam wir kommen wieder! Wir wollen das andere Venedig des Nordens auf jeden Fall nochmal besuchen und dann auch außerhalb des Grachtengürtels entdecken.  Amsterdam hat uns mit seiner gemütlichen und lockeren Art voll und ganz überzeugt. Überall gibt es Wasser und  gemütliche Cafés. Die Stadt ist durch die nahezu vollständig erhaltenen alten Häuserzeilen wunderschön und unterscheidet sich dadurch von vielen anderen europäischen Großstädten.

Unsere Fotografieversuche und Gedanken an einen Blog waren während dieses Minitrips noch nicht ausgereift. Das bietet uns zum Glück einen weiteren Grund noch mal mindestens ein Wochenende wieder zu kommen um bessere Fotos für unseren Blog zu machen.

Unsere Highlights

Neele

1.Hausboot

2.Bar

Fabian

1.Grachtenfahrt

2.Hausboot

amsterdam_hafen_moin

Was wir beim nächsten Mal auf jeden Fall sehen wollen

Auf unserer Liste für das nächste Mal steht definitiv Fahrräder mieten. Fahrräder sind einfach die typische holländische Fortbewegung.  Ein Freund, der kurz nach uns dort war, machte eine Tour durch Amsterdam und seine Außenbezirke mit dem Fahrrad und empfahl uns diese. Auch außerhalb überzeugte ihn Amsterdam mit seiner Gemütlichkeit. Wir verzichten bestimmt auf eine geführte Tour aber ein Fahrrad wird trotzdem für eine Entdeckungstour gemietet.

Immer wieder lesen wir von den vielen verschiedenen Märkten, die Amsterdam zu bieten hat. Daher haben wir vor einen davon zu besuchen, dieses Mal war die Zeit dafür jedoch zu knapp. Also steht einer der typischen Flohmärkte für unseren nächsten Besuch weit oben auf der To-Do-Liste.

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